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"Der Aufschwung ist da – die nächste Krise ist nah?" zurück

 Am Montag, den 7. Juni luden die Raiffeisenbanken im Oberland Ihre Mitglieder und Kunden zu einem Informationsabend nach Nenzing in den Ramschwagsaal ein. Mehr als 200 Kunden nahmen diese Einladung an und folgten den interessanten Ausführungen von Dr. Stefan Fink.

Folgende Fragen wurden diskutiert:

Herr Fink wie sehen Sie die Wirtschaftliche Entwicklung Österreichs für die nächsten 2-3 Jahre?
Die Eurozone und damit auch Österreich muss sich auf eine Phase langsamen Wachstums einstellen. Die Exportorientierung in Verbindung mit dem schwächeren Euro kann hier gemeinsam mit der leicht ansteigenden Wettbewerbsfähigkeit dafür sorgen, dass das Wirtschaftswachstum in Österreich über dem erwarteten Schnitt der Eurozone liegt (aktuelle ÖNB- Prognose für Österreich: 2010: +1,3% BIP- Wachstum, 2011: +1,4%). Der Inflationsdruck wird dabei selbst bei ansteigenden Rohstoff- und Ölpreisen mittelfristig sehr begrenzt sein (HVPI- Inflation 2010: +1,8%, 2011: +1,9%).
Obwohl die Wachstumsraten inzwischen wieder positiv sind, muss man am Arbeitsmarkt bis Mitte 2011 mit einem Ansteigen der Arbeitslosenzahlen rechnen, bis auch hier eine Stabilisierung eintritt.
Wie sehen Sie die mittelfristige Perspektive für die Inflation?
Die aktuelle Diskussion rund um die Staatsdefizite der Euroländer bringen sehr häufig das Argument mit sich, dass die hohen Staatsverschuldungen zu höheren Inflationsraten führen werden. Tatsächlich ist eine ansteigende Preisentwicklung hauptsächlich von 2 Faktoren abhängig: Einerseits von der aktuellen Auslastung der volkswirtschaftlichen Produktionsfaktoren (die sogenannte Kapazitätsauslasung), und andererseits von der Geldmenge, die über die Kreditvergabe den Wirtschaftstreibenden zur Verfügung steht.
Bei beiden Faktoren beobachten wir aktuell stark rückläufige Tendenzen: Die Kapazitätsauslastung liegt ca. 15% unter ihrem Vor- Krisen- Niveau, und die Geldmenge der Eurozone ist sogar rückläufig.
Vor diesem Hintergrund ist mittelfristig ein stark ansteigendes Inflationsniveau als sehr unwahrscheinlich einzustufen.
Ist ein Ausstieg eines EU- Landes aus der Eurozone realistisch?
Trotz aller problematischen Faktoren, mit denen sich die Eurozone derzeit konfrontiert sieht, ist der Ausschluss oder Austritt eines Landes aus der Eurozone extrem unwahrscheinlich. Für ein schuldenmäßig angeschlagenes Land, das schon jetzt Schwierigkeiten hat, sich auf dem Kapitalmarkt zu finanzieren, wäre der Ausschluss aus der Eurozone gleichbedeutend mit dem unausweichlichen „Konkurs“. Würde ein Land austreten und in der Folge seine Währung abwerten, so würden sich im selben Ausmaß die Staatsschulden (in Euro) vervielfachen und würden so unfinanzierbar werden. Der Zahlungsausfall würde dann alle Gläubiger, die wiederum hauptsächlich in der Eurozone liegen, stark belasten.
Somit wäre der Austritt sowohl für das austretende Land als auch für die Gläubiger in der Eurozone eine höchst unattraktive Alternative.

Bilder des Vortrages: